Hintergrund Information über Mikronährstoff Ergänzung bei HIV/AIDS

1. Breitband-Spektrum Mikronährstoff-Ergänzung

Forschungen an Breitband-Spektrum Mikronährstoff-Ergänzungen basieren, im Gegensatz zu Tests mit nur einem Nährstoff pro Studie, darauf, dass die Mitochondrien für ein gesundes Funktionieren von mehreren Nährstoffen abhängig sind.
Um eine Oxydation durch freie Radikale in dieser bioaktiven Gruppe wieder auszugeichen sind Ascorbat (Vitamin C), Alpha-Tocopherol (Vitamin E), Alpha-Lipon Säure und Glutathion (aus N-Acetyl Cystein) gegenseitig voneinander abhängig. Wenn das Ziel darin besteht, den dysfunkionalen Kreb's Zyklus und das Elektronen Transport System zu einer verbesserten Funktion anzuregen macht es biochemisch gesehen keinen Sinn nur einen dieser Nährstoffe einzusetzen.

2. Therapeutische Antioxidantien

Der therapeutische Einsatz der unten beschriebenen antioxidativen Nährstoffe stellt eine ergänzende Therapie zur Behandlung der HIV-Infektion in Aussicht. Als Gruppe erhöhen diese Antioxidantien die Vermehrung von T- und B-Lymphozyten, verringern das Freisetzen von Milchsäure in den Blutstrom und erhöhen die Energieproduktion in den Mitochondrien. [1]    Dieser Effekt kann auch dem frühen Zelltod, welcher zusätzlich bei erhöhtem oxidativem Stress bei einer HIV-Infektion auftritt, vorbeugen (mit oder ohne Nukleosidanaloger Reverse Transkriptase Hemmer Therapie). [2] , [3]

Zusätzlich sind Nukleosidanaloge Reverse Transkriptase Hemmer (NRTI) dafür bekannt, die Gamma DNA-Polymerase in den Mitochondrien zu hemmen.[4] , [5]
Die resultierende Abbau von mitochondrialer DNA kann zu einer Fehlregulation des Cytochromen Energie Systems und der Elektronen Transport Kette führen. Diese funktionale Abkoppelung des oxidativen Metabolismus fördert die Bildung von Acetyl Co-Enzym A sowie von Milchsäure. Dies intra- wie auch extrazellulär. Die Freisetzung dieser Verbindung in den Blutstrom führt zu einer erhöhten Gluconeogenese in der Leber, welche erhöhte Serum Insulin Werte und gleichzeitige Hyperlipidämie hervorruft. [6] Diese physiologischen Auswirkungen können zu einer vermehrten Ansammlung von Fett am Oberkörper von HIV-infizierten Patienten führen. Dieser Prozess ist allgemein als Lypodistrophie Syndrom bekannt.

Acetyl L-Carnitin

Der Acetyl Teil der Aminosäure Carnitin reguliert den Fettsäure Transport durch die Membran der Mitochondrien. Er dient auch dazu, dieser Organelle Treibstoff zuzuführen, welche ihre Fähigkeit, Energie unter anaeroben Bedingungen zu produzieren, erhöht. Anaerobischer Metabolismus tritt häufiger auf, wenn die Elektronen Transport Kette durch eine Verringerung von mitochondrialer DNA fehlreguliert ist. Bereits in früheren Studien wurde Acetyl L-Carnitin erfolgreich zur Behandlung von Mitochondrialer Myopathie, einer anerkannten Nebenwirkung von Nukleosidanalogen Reversen Transkriptase Hemmern wie Zidovudine (AZT), eingesetzt.. [7] , [8]

Ein Mangel an Acetyl L-Carnitin wurde auch in einem signifikanten Prozentsatz von HIV infizierten Individuen mit peripherer Neuropathie festgestellt. [9]
In kleinen Studien gelang es durch die Gabe von nur diesem Nährstoff Periphere Neuropathie bei Patienten mit Diabetes Mellitus und HIV erfolgreich zu behandeln. [10]

Alpha Lipon Säure

Alpha-Lipon Säure ist ein wirksames Antioxidans welches hauptsächlich in den Mitochondrien gefunden wird. Es wirkt als Co-Enzym beim Alpha-Keto-Dehydrogenase Enzym Komplex des Kreb's Zyklus um aerobische Respiration zu erleichtern. Alpha-Lipon Säure funktioniert auch als wirkungsvoller Freie Radikale Fänger und hilft so, ein gesundes Funktionieren der Mitochondrien zu erhalten. Dieser Wirkstoff trägt auch zu Stoffwechsel Funktionen, welche den Grad an Ascorbat, Alpha-Tocopherol und Glutathion regenerieren, bei.

Alpha-Lipon Säure hat auch gezeigt, das es die NF-Kappa B Aktivierung blockiert, um damit direkt die HIV-Replikation in Zellkulturen zu unterbinden und erfolgreich Periphere Neurophathie bei Patienten mit Diabetes Mellitus zu behandeln. [11] , [12]
In einer kleinen Deutschen Studie hat Alpha-Lipon Säure gezeigt, dass es die T4 Zellen und das T4:T8 Verhältnis bei HIV infizierten Patienten erhöht. [13]

N-Acetyl Cystein (NAC)

Der Acetyl Teil der Aminosäure Cystein ist die Glutathion Quelle mit der höchsten Bioverfügbarkeit. Glutathion ist ein wirkungsvolles Antioxidans und eine Schlüsselkomponente des Glutathion Peroxidase Enzym Systems. Glutathion Mangel wird mit einer schlechteren Prognose der HIV-Infektion in Zusammenhang gebracht. [14] , [15]

Es gibt ebenfalls gute Gründe anzunehmen, dass Tat, ein Protein das vom HI-Virus produziert wird, für die Reduktion der Glutathion Spiegel in HIV-infizierten Zellen verantwortlich ist. [16]
Es gibt zusätzliche Beweise das Nukleosidanaloge Reverse Transkriptase Hemmer (AZT, D4T, DDi etc.) direkt den Glutathion Spiegel senken. Die mögliche Toxizität dieser Medikamente  könnte durch eine Wiederherstellung der normalen Glutathion Werte durch die Gabe von NAC, gemildert werden.

Studien welche während den letzten 5 Jahren von den Stanford Forschern Leonard und Leonore Herzenberg und deren Kollegen veröffentlicht wurden weisen stark darauf hin das:
1) Glutathion Mangel verbreitet bei HIV infizierten Patienten auftritt. [17]  2) Glutathion Mangel bei HIV infizierten Patienten mit einer Beeinträchtigung der T-Zell Funktionen sowie einer Beeinträchtigung der Überlebensrate assoziiert wird. [18]    3) Verabreichung von N-Acetyl Cystein in oraler Form die Glutathion Werte von HIV infizierten Patienten wieder herstellt.[19] , [20] und 4)  die Gabe von N-Acetyl Cystein an HIV infizierte Patienten in einer Cox Proportional Hazard Analyse signifikant mit einer verbesserten 2-3 Jahres Überlebensrate assoziiert wird.. [21]   

3.  Höhere Dosierungen als die empfohlene mittlere Tagesdosis


Der Zweck der empfohlenen mittleren Tagesdosis an Vitaminen und Mineralien ist es, eine normale Gesundheit zu fördern und Nährstoff Mangelkrankheiten in ansonsten gesunden Erwachsenen zu verhindern.

In der Literatur finden sich viele Quellen welche darauf hinweisen, dass die Einnahme von höheren als der normalen Dosis von mehreren Schlüssel-Mikronährstoffen (z.B. Alpha-Lipon Säure, Vitamin B6, Acetyl-L-Carnitin) erfolgreich bei Behandlung der Symptome von Peripherer Neuropathie sind. [22] , [23]

Durch Einnahme von Dosen welche über der empfohlenen mittleren Tagesdosis liegen, kann es möglich sein, milden Toxizitäten der Antiretroviralen Therapie vorzubeugen oder in relativ kurzer Zeit rückgangig zu machen.


[1] Kalebic T, et al.  Suppression of human immunodeficiency virus expression in chronically infected monocytic cells by glutathione, glutathione ester, and N-acetyl cysteine.  Proc Natl Acad Sci USA 1991;88:986-990

[2] Butte TM, et al.  Oxidative stress as a mediator of apoptosis. Immunol Today 1994;15:7-10

[3] Sato N, et al.  Thiol-medicated redox regulation of apoptosis. Possible roles of cellular thiols other than glutathione in T cell apoptosis. J Immunol. 1995;154:3194-3203

[4] Parker WB, et al.  Mitochondrial toxicity of antiviral nucleoside analogs. J NIH Res. 1994;6:57-61

[5] Chen CH, et al.  Delayed cytotoxicity and selective loss of mitochondrial DNA in cells treated with the anti-human immunodeficiency compound 2',3'-dideoxycytidine. J Biol Chem. 1989;264:11934-11937

[6] Khouri S, et al.  Lactic acidosis secondary to nucleoside analog antiretrovial therapy. Infec Med. 2000;17[8]:547-554

[7] Campos Y, et al.  Plasma carnitine insufficiency and effectiveness of L-carnitine therapy in patients with mitochondrial myopathy. Muscle Nerve. 1993;16:150-153

[8] Dalakas MC, et al.  Zidovudine-induced mitochondrial myopathy is associated with muscle carnitine deficiency and lipid storage. Ann Neurol. 1994;35:482-487

[9] Famularo, et al.  Acetyl carnitine deficiency in distal polyneuropathy. AIDS 1997;11:185

[10] Famularo G, et al.  Treatment with acetyl-L-carnitine has the potential to improve the clinical course of painful peripheral neuropathies in HIV-positives patients.                J Peripher Nerv Syst.1998; 3 (3) :227-9

[11] Packer L, et al.  Vitamin E and alpha-lipoate: role in antioxidant recycling and activation of the NF-kappa B transcription factor. Mol Aspects of Med 1993;14:229-239

[12] Baur A, et al.  Alpha-lipoic acid is an effective inhibitor of human immuno-deficiency virus (HIV-1) replication. Klin Wochenschr 1991;69:722-724

[13] Fuchs J, et al.  Studies on lipoate effects on blood redox state in human immunodeficiency virus infected patients. Arzneimittelforschung 1993;43:1359-1362

[14] Aukrust P, et al.  Glutathione redox disturbances in human immunnodeficiency virus infection: immunologic and therapeutic consequences. Nutrition 1999;15:165-167

[15] De Quay  B, et al.  Glutathione depletion in HIV-infected patients:role of cysteine deficiency and effect of oral N-acetylcysteine. AIDS 1992;6:815-819

[16] Choi J, et al.  Molecular mechanism of decreased glutathione content in human immunodeficiency virus type 1 Tat-transgenic mice. Journal of Biological Chemistry. 2000;275[5];3693-3698

[17] Buhl R, et al.  Systemic glutathione deficiency in symptom free HIV-seropositive individuals. Lancet. 1989;2:1294-1298

[18] Herzenberg LA, et al.  Glutathione deficiency is associated with impaired survival in HIV disease.. Proceedings of the National Academy of Sciences, USA . 1997;94:1967-1972

[19] De Quay  B, et al.  Glutathione depletion in HIV-infected patients:role of cysteine deficiency and effect of oral N-acetylcysteine. AIDS 1992;6:815-819

[20] Witschi A, et al.  The systemic availability of oral glutathione. Eur J Clin Pharmacol 1992;43:667-669

[21] Herzenberg LA, et al.  Glutathione deficiency is associated with impaired survival in HIV disease.. Proceedings of the National Academy of Sciences, USA . 1997;94:1967-1972

[22] Scarpini E, et al.  Effect of acetyl-L-carnitine in the treatment of painful peripheral neuropathies in HIV+ patients. J Peripher Nerv Syst. 1997; 2 (3) :250-252

[23] Abbas ZG, et al.  Evaluation of the efficacy of thiamine and pyridoxine in the treatment of symptomatic diabetic peripheral neuropathy.  East Afr Med J.  1997 Dec; 74 (12) :803-

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